Betrug der Nahrungsergänzungsmittel-Industrie

Betrug der Nahrungsergänzungsmittel-Industrie

Sind Arthrose Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll und helfen Sie dabei, sich von einer Arthrose zu heilen?

Nahrungsergänzungsmittel Betrug

Sich von einer Arthrose zu heilen bedeutet, dass man – gerade wenn man unter großen Schmerzen leidet – dankbar nach jedem Strohhalm greifen möchte. Dennoch sollte man höllisch aufpassen vor den vielen Heilsversprechen der Nahrungsergänzungsmittel-Industrie. Nicht genug, dass uns auch viele Orthopäden und Schulmediziner weismachen wollen, dass sich Arthrose nicht heilen lässt und dies ein "völlig normalen Alterungsprozess" abtun. Zudem gibt es inzwischen eine riesige Anzahl an selbsternannten Nahrungsergänzungsmittel-Experten, die sich rings um die Schulmediziner gescharrt hat und die mit einem Jahresumsatz von über 1,3 Mrd. EURO zu einer stark wachsenden Industrie zählt.

Wie es schon richtig heißt, es handelt sich lediglich um eine Form von "Nahrungsmitteln" – und nicht um  Heilmittel – die unsere Nahrung so ergänzen sollen, dass sie nützlich sind für unsere Gelenke und die fehlenden Bestandteile unserer Nahrung ergänzen sollen.

Mag sein, dass solche Mittel keinen großen Schaden anrichten (wobei ich gerade bei Gelatinekapseln vom Schwein doch meine Bedenken habe aufgrund der darin enthaltenen Arachidonsäure). Aber das große Problem dabei ist, dass solche Mittel nicht auf die eigentliche Ursache der Krankheit eingehen und somit niemals zu einer echten Heilung einer Arthrose beitragen können. Bestenfalls für eine kurzfristige Linderung. Mal ganz abgesehen davon, dass es schlichtweg Geldvergeudung ist.

So werden nur die Bestandteile des Gelenkknorpels und der Gelenkschmiere ermittelt. Basierend auf diesen Erkenntnissen wird beispielsweise Kollagen-Hydrolysat als Nahrungszusatz empfohlen, um das abgebaute Kollagen wieder aufzubauen. Das Problem ist allerdings, "dass die Kollagensynthese im menschlichen Körper nicht dem Nahrungsangebot folgt. D.h. trotz der Ähnlichkeit zwischen menschlichem Kollagen und der Gelatine wird die Nahrungsgelantine nicht an den Ort der Kollagen- Biosynthese, also z.B. zu den Gelenken weitergereicht." (s. Gutachten des Bundesinstitutes für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin vom 19.01.1998)

Das bedeutet, wenn wir z.B. Kollagen-Hydrolysat in unserer Nahrung zu uns nehmen, heißt das nicht, dass dieses Mittel auch wirklich in unsere Gelenke gelangt!

Ähnlich sieht dies übrigens die chemische Landesuntersuchungsanstalt Karlsruhe in einem Gutachten vom 11. Dezember 1997, in welchem dieses unter Bezugnahme auf das Bundesgesundheitsamt (BGA) ausführt: „Die Synthese von Knorpel und Gelenkschmiere kann ernährungsphysiologisch nicht, z.B. durch die Zufuhr von Gelatine, beeinflusst werden.“

Wie sieht es aus mit der Wirksamkeit von Glucosamin und Chondroitin?

Auch die Wirksamkeit von Glucosamin und Chondroitin, die ebenfalls in typischen Nahrungsergänzungsmittel z.B. gegen Kniearthrose enthalten sind, konnte bis heute nicht bewiesen werden. Eine von den National Institutes of Health (NIH) der USA initiierte multizentrische, placebokontrollierte, sechs Monate dauernde Blindstudie zur Wirksamkeit von Chondroitin und Glucosamin bei Arthrose des Knies ergab keinen statistisch signifikanten Effekt auf die Symptome der Arthrose bei Patienten mit leichteren Schmerzen. Gelenkschwellungen wurden gemindert. Behandlungseffekte wurden in einer Untergruppe der Patienten mit mittelschweren bis schweren Schmerzen festgestellt, jedoch war die Aussagekraft aufgrund der kleinen Patientenzahl in dieser Untergruppe nicht stichhaltig.

Das Ergebnis jüngerer Metastudien war, dass Chondroitinsulfat in Kombination mit Glucosamin die schmerzhafte Symptomatik einer Knie- oder Hüftarthrose gegenüber Placebo nicht besserte und keinen Einfluss auf den Gelenkspalt hatte. (s. Clegg DO, Reda DJ, Harris CL, Klein MA, O'Dell JR, Hooper MM, Bradley JD, Bingham CO 3rd, Weisman MH, Jackson CG, Lane NE, Cush JJ, Moreland LW, Schumacher HR Jr, Oddis CV, Wolfe F, Molitor JA, Yocum DE, Schnitzer TJ, Furst DE, Sawitzke AD, Shi H, Brandt KD, Moskowitz RW, Williams HJ: Glucosamine, chondroitin sulfate, and the two in combination for painful knee osteoarthritis. In: New Engl J Med. 354, Nr. 8, 2006, S. 795–808.)

Alles, was wir mit unserer Nahrung zu uns nehmen, wird durch unseren Magen, die Leber, den Darm usw. höchst komplexen biochemischen Prozessen unterzogen; d.h. eine Kapsel mit einer Knorpelsubstanz wird nicht unbedingt zu den Gelenken weitergereicht, wie man sich das wünschen würde.

D.h. auch die Herangehensweise der Nahrungsmittelergänzungs-Industrie wird nur sehr bedingt zu einer Genesung führen, sodass ich ihr in erster Linie kommerzielle Interessen unterstellen möchte. Im Prinzip wird sowohl in der Schul- und Krankenhausmedizin als auch der Nahrungsmittelergänzungsindustrie das eigentliche Problem nur vertagt und zu wenig nach den wahren Ursachen einer Arthrose geforscht und darauf eingegangen.

An einer wirklichen Heilung scheint aktuell weder die Schulmedizin (immerhin werden derzeit ca. 175.000 künstliche Kniegelenke pro Jahr implantiert!) noch die Nahrungsergänzungsmittel-Industrie ein wirkliches Interesse zu haben. Für eine Heilung sind dringend die Ernährungsgewohnheiten zu ändern. Denn was nützt es, wenn der Körper weiterhin durch falsche Nahrung übersäuert wird, und parallel ein paar Nahrungsergänzungskapseln eingenommen werden? Der Körper bleibt natürlich weiter übersäuert und bezieht die notwendigen Mineralien aus Gelenken, Organen usw. 

Welche Alternativen gibt es zu den Nahrungsergänzungen?

Gesunde Nahrung, ganz einfach. Seien Sie eher vorsichtig bei solchen Nahrungsergänzungsmitteln, die zumeist auch nicht gerade preisgünstig sind. Investieren Sie das Geld lieber in gutes und gesundes Gemüse, in Kerne und Nüsse, in vitamin- und mineralreiche Pflanzenkost. Dann tun Sie sich und Ihrem Geldbeutel einen größeren Gefallen.